A — Agency
Agency
Akteur. Eine Entität, die eine angemessene Entscheidung treffen und handeln kann.
„Es ist die Fähigkeit eines Akteurs, Energie aufzuwenden, um eine angemessene Entscheidung zu treffen: Bedingungen zu erhalten oder zu verändern, um einen gewünschten Zustand zu erreichen.“
Der gegenwärtige Zustand beschreibt, wo sich der Akteur jetzt befindet; der gewünschte Zustand ist der Zustand, auf den eine Entscheidung abzielt. Bedingungen sind das, worauf der Akteur einwirkt: Er lässt sie unverändert, verändert sie gerade so weit, dass sein Zustand erhalten bleibt, oder verändert sie, um einen anderen Zustand zu erreichen.
„Agency bezeichnet jeden natürlichen oder juristischen Akteur, der zu einem gegebenen Zeitpunkt im Bewusstsein seiner Bedingungen und seiner Position eine überlegte, autonome Entscheidung trifft: Er erhält entweder den gegenwärtigen Zustand oder verändert ihn.“
Angemessene Entscheidung und richtige Entscheidung
Richtige Entscheidung
„Eine richtige Entscheidung ist nichts weiter als ein Etikett, das du einer bereits getroffenen Entscheidung anheftest – im Nachhinein, anhand ihres Ergebnisses und der Vergleiche, die du rückblickend anstellst.“
Angemessene Entscheidung
„Eine, die mit den vier Phasen deiner Agency im Einklang steht.“
Erkundung, Stabilisierung, Erweiterung und Integration.
PDAF: der Entscheidungsprozess
PDAF ist ein Entscheidungsprozess mit vier Schritten: Vorbereitung, Entscheidung, Handlung und Rückmeldung (Preparation, Decision, Action, Feedback). Ein Akteur durchläuft ihn bewusst oder unbewusst.
Vorbereitung
Vorbereitung bedeutet, vor einer Entscheidung innere Empfindungen und äußere Signale wahrzunehmen. Sie kann drei vorbereitende Schritte umfassen: Gegenwärtiger Zustand (die Situation beschreiben), Wahrnehmung (innere und äußere Signale erfassen) und Verstehen (einschätzen, was diese Signale erkennen lassen).
„Je mehr du auf deinen Körper hörst, desto eher bemerkst du die Signale und erkennst, woher sie kommen.“
Entscheidung
Eine Entscheidung ist die Wahl, den gegenwärtigen Zustand zu erhalten oder zu verändern.
Handlung
Eine Handlung ist das, was ein Akteur tut, um eine Entscheidung umzusetzen. Im ACE-Modell bildet die Handlung den Kern der Agency, nicht die Bedarfsermittlung.
Rückmeldung
„Die Rückmeldung, das vierte Element von PDAF, sendet dir die Signale, die du brauchst – deine Unzufriedenheit mit der Situation, durch die du schwimmst.“
Entscheidungen verbrauchen Energie. Durch Übung durchläuft ein Akteur die vier PDAF-Schritte „mit möglichst wenig Energie“. Bei wiederkehrenden, erlernten Tätigkeiten wie Radfahren, Schwimmen oder Gehen führt das Unterbewusstsein PDAF bereits automatisch aus. Schließt du auf dem Fahrrad die Augen, unterbrichst du die Vorbereitung, handelst falsch und erhältst die Rückmeldung in Form von Schrammen und blauen Flecken. Schwierig wird es bei Entscheidungen, die das Unterbewusstsein nicht allein übernehmen sollte. Dafür erhält Hedayat im Roman einen „inneren Verkehrspolizisten“ – seine kritische innere Stimme, den „Helden der Geschichte“, der vor dem Handeln gehört werden muss – und eine „Ampel“: die vier Phasen der Agency.
Die vier Phasen der Agency
Die vier Phasen der Agency wirken wie die Lichter einer Ampel an der Kreuzung der Entscheidungsfindung. Ihre Reihenfolge, Dauer und Intensität können je nach Bedingungen variieren.
Erkundung
Der Akteur wendet Energie auf, um Bedingungen zu beeinflussen und einen Zustand zu erreichen, der sich von seinem gegenwärtigen unterscheidet. Entdeckungen, neue Möglichkeiten, unbekannte Wege, Abenteuer.
Stabilisierung
Der Akteur setzt seine Energie so ein, dass die Bedingungen unverändert bleiben oder sich gerade so weit verändern, dass sein Zustand erhalten bleibt. Sicherheit, Wiederholung, Können.
Erweiterung
Erweiterung ist die Phase des Wachstums: die Ausweitung von Kapazitäten. Bei einem einzelnen Akteur dreht sie sich um Kreativität und die Weiterentwicklung einer vorhandenen Fähigkeit.
Integration
Der Akteur erhält oder verändert Bedingungen, um einen Zustand zu erreichen, der für ihn Bedeutung hat. Werte, Beziehungen zu anderen, Verbundenheit.
Die Phasen der Agency folgen keiner festen Reihenfolge. Ihre Dauer und Intensität können je nach Bedingungen variieren. Integration ist untrennbar mit ihnen verbunden, weil sie einen Akteur mit anderen verbindet und ihm Bedeutung gibt. Ausschließlich in der Stabilisierung zu bleiben, bringt zunächst Sicherheit und anschließend Langeweile.
VertiefungErkundung
Erkundung ist die Phase der Entscheidungen, deren Ergebnisse unbekannt und unvorhersehbar sind. Ihr Reiz liegt in dieser Unvorhersehbarkeit, die Ablenkung bieten kann. Abenteuer sind eine Ausdrucksform dieser Phase und können Freude bereiten. Auch Entscheidungen zum Vergnügen und zur Unterhaltung, etwa der Besuch eines Freizeitparks, gehören hierher. Vergnügen ist jedoch nicht der einzige Grund für Entscheidungen in der Erkundung; ein Akteur kann diese Phase auch betreten, um eine Lösung für ein Problem zu finden. Ablenkung kann lustvoll sein oder die Form eines Rätsels annehmen.
Entscheidungen und Handlungen in der Erkundung können für den Akteur und seine Umwelt hohe Kosten mit sich bringen. In dieser Phase kann sich auch ein gefährlicher Prozess verbergen: Sucht. Führt Erkundung zu einem angenehmen Zustand, versucht der Akteur möglicherweise, ihn zu wiederholen. Rauchen ist ein anschauliches Beispiel: Der Genuss der ersten Zigarette führt zur nächsten, und durch Wiederholung geht die Handlung in die Stabilisierung über. Es entsteht eine Fähigkeit, den Zustand mit weniger Energie zu erhalten – auch wenn es dabei nun um Sicherheit geht und nicht mehr um den Genuss, die Ablenkung oder das Abenteuer, mit dem alles begann.
Ein Sprung ins Schwimmbecken gehört zur Erkundung, weil er für einen Moment Ablenkung schafft. Ebenso das Drehen im flachen Wasser, bis einem völlig schwindelig ist, um dann anzuhalten und unterzutauchen und das ungewöhnliche Vergnügen des Schwindels unter Wasser zu erleben.
VertiefungStabilisierung
Stabilisierung ist die Phase, in der ein Akteur Energie aufwendet, um Bedingungen unverändert zu lassen oder sie nur so weit zu verändern, dass sein gegenwärtiger Zustand erhalten bleibt. Diese Phase bringt Sicherheit. Bleibt man jedoch zu lange in ihr, entsteht Langeweile.
Menschliche Fähigkeiten entwickeln sich durch Stabilisierung. Beim Autofahren, Programmieren, Schwimmen, Radfahren oder Ausüben eines Handwerks wiederholt ein Akteur die Schritte, prägt sie sich ein und ruft sie ab, bis er alle vier PDAF-Schritte mit minimalem Energieaufwand durchlaufen kann, oft unbewusst. Stabilisierung reicht über praktische Fähigkeiten hinaus: Schweigen zu wählen, um einen sicheren Zustand zu bewahren, obwohl das Gewissen zur Ehrlichkeit drängt, ist eine Entscheidung der Stabilisierung.
VertiefungErweiterung
Erweiterung beginnt, wenn ein Akteur eine vorhandene Fähigkeit durch Kreativität weiterentwickelt. Wird die Sicherheit der Stabilisierung quälend langweilig, bietet Kreativität eine weniger aufwendige Form der Ablenkung. Sie hilft dem Akteur, sein Können zu verbessern, und schafft einen Fokus mit zwei Seiten: Die Aufmerksamkeit sammelt sich bei der Fähigkeit und zieht sich zugleich von der umgebenden Welt zurück. Diese Konzentration kann Langeweile, Angst und unbegründete Sorgen lindern.
Kreativität und Produktivität sind nicht dasselbe. Produktivität kann einen Akteur dazu bringen, immer weiter zu produzieren, auch wenn die Tätigkeit längst nicht mehr kreativ ist, bis das Produzieren selbst zur Sucht wird. Der Roman verbindet dieses Muster mit dem Warenfetischismus – Marx’ Begriff dafür, Waren so zu behandeln, als gehöre ihr Wert den Dingen selbst an, während die menschliche Arbeit und die Beziehungen dahinter unsichtbar werden. Kreativität entwickelt eine vorhandene Fähigkeit weiter und bietet eine weniger aufwendige Form der Ablenkung. In der Erweiterung vergrößert diese Entwicklung die Kapazitäten des Akteurs. Wachstum bleibt jedoch eine Tätigkeit innerhalb der Agency und ist nie das letzte Ziel des Spiels; es gehört in das größere Spiel der Harmonie.
VertiefungIntegration
Integration ist die Phase, in der ein Akteur Energie aufwendet, um Bedingungen zu erhalten oder zu verändern und einen Zustand zu erreichen, der Bedeutung hat. Bedeutung entsteht aus Werten, die durch soziale Muster, Mythen, Fabeln, Geschichten, Erzählungen, Sprichwörter, Rituale und Religionen geprägt werden.
Verträge sind Vereinbarungen, auf die sich ein Akteur stützt und von denen er viele nie bewusst unterschrieben hat. Sie werden fortlaufend überprüft, oft außerhalb des Bewusstseins, und bilden gemeinsam eine zusammenhängende Struktur, die Sicherheit gibt und Entscheidungen prägt. Folgt ein Akteur diesen Verträgen, ohne sie regelmäßig zu hinterfragen, kann er ernsthafte Probleme bekommen: den Verlust seiner Autonomie, gewohnheitsmäßige oder ungeprüfte Entscheidungen, Entscheidungen zum Schaden anderer und extremistische Überzeugungen.
Integration ist die anspruchsvollste Phase, besonders wenn ein Akteur ihr zum ersten Mal begegnet. Bedeutung zu finden erfordert, die grundlegenden Verträge zu untersuchen, die Werte prägen. Doch die meisten Menschen können ihre eigenen Werte nicht klar benennen. Weil dieser Prozess schwierig ist, folgen sie oft der Mehrheit und übertragen ihr die Verantwortung für ihre Entscheidungen. Ein Akteur lebt möglicherweise lieber nach allgemein akzeptierten Werten, die in ihm wie standardmäßig bereits unterschriebene Verträge verankert sind; das ist der leichtere Weg. Werte bilden ein komplexes, verflochtenes Netz ineinander verschachtelter Verträge. Die Überprüfung eines Vertrags führt zur Überprüfung eines weiteren und zieht den Akteur immer tiefer in eine Struktur von Vereinbarungen, die nacheinander akzeptiert und bestätigt wurden. Genau hier beginnt die Schwierigkeit der Integration.
Schmerz und Leid auf dem Weg zur Bedeutung sind nichts anderes als die Freude am Bewusstwerden. Bedeutung soll das Leben nicht schön machen; sie schafft Verbundenheit mit anderen. Integration ist die Brücke, die die Agency eines Menschen mit der eines anderen verbindet und das Spiel über den Einzelnen hinausführt. Sie führt die Spielenden von Agency zu Verbindung und anschließend zu Austausch. Ohne Integration kann das ACE-Spiel nicht weitergehen.
Das Spiel heißt Harmonie, nicht Wachstum
ACE ist kein Wachstumsmodell. Erweiterung ist eine seiner Phasen. Das Ziel ist nicht, die Phasen der Agency gleichmäßig auszubalancieren, sondern die Harmonie zwischen ihnen zu bewahren. Balance ist eines der Spiele innerhalb des größeren Spiels der Harmonie.
Stell dir ein Sinfonieorchester vor. Die Anzahl der Instrumente, ihre Lautstärke und die Dauer ihres Spiels sind nicht in Balance. Es kann fünf Violinen und nur ein Klavier geben; ein Instrument klingt lauter, ein anderes leise; eines spielt mehrere Minuten, während ein anderes nur kurz zu hören ist. Balance ist nicht das Ziel. Das Ziel ist Harmonie – die Schönheit, die alle Instrumente gemeinsam hervorbringen. Dasselbe gilt für die Phasen der Agency: Ihre Dauer und Intensität müssen nicht ausbalanciert sein. Lebendig bleiben muss die Harmonie des Ganzen. Kümmert sich jedes Instrument nur darum, lauter gehört zu werden, gewinnt es vielleicht sein eigenes Spiel, doch das Orchester verliert.
Im ACE-Modell ist Wachstum nicht das Hauptspiel; das ist die Harmonie. Wachstum ist eines der Spiele innerhalb der Harmonie und bleibt nur so lange nützlich, wie es die Harmonie zwischen Agency, Verbindung und Austausch mit anderen nicht stört. Ein Akteur kann das Wachstumsspiel gewinnen und dennoch das gesamte Spiel verlieren.
C — Verbindung
Verbindung
Verbindung ist die Beziehung einer Agency zu anderen Agencies und zu Faktoren ihrer Umgebung. Keine Agency existiert isoliert: Ihre Existenz und ihr Fortbestehen hängen von diesen Beziehungen ab.
Verbindung ist eine grundlegende Bedingung für die Existenz und Stabilität einer Agency. Sie wirkt zudem unmittelbar und entscheidend auf ihre Entscheidungsprozesse ein, einschließlich der Frage, welche Phasen wie aktiviert werden. Sobald eine Agency eine Beziehung zu anderen eingeht, begegnet sie Bedingungen und Phänomenen, die ihre Entscheidungsstruktur und ihren weiteren Weg verändern können.
Von Integration zu Verbindung
Integration verbindet die Agency eines Menschen mit der eines anderen und führt das Spiel über den Einzelnen hinaus. Sie ist die Brücke, die die Spielenden von Agency zu Verbindung und anschließend zu Austausch führt. Ohne diese Brücke kann das ACE-Spiel nicht weitergehen.
ACE bewegt sich auf das einzige unendliche Spiel zu: Existenz. Integration schafft die Nähe, durch die sich das Leben fortsetzt und Existenz sichtbar wird. Dinge müssen nebeneinanderstehen, damit Sein in Erscheinung treten kann.
Freiheit, Wille und Grenzen
Was ist Freiheit? Freiheit gewinnt nur dort Bedeutung, wo Grenzen existieren. In einer grenzenlosen Welt hat Freiheit keine greifbare Bedeutung. Grenzen geben der Freiheit ihren Sinn: Man kann sie durchbrechen, erweitern oder anpassen. Sobald ein Akteur eine Verbindung eingeht, beginnt er, seine eigenen Grenzen zu bestimmen und anzupassen. Deshalb entstehen in jeder Beziehung unvermeidlich Grenzen.
Grenzen im ACE-Modell
Die besten Grenzen sind jene, die eine Agency sich bewusst und freiwillig selbst setzt. Sie verhindern den Bruch von Vertrauen und Glaubwürdigkeit und stärken die Stellung der Agency in der Gruppe. Im ACE-Modell wirken zwei Arten von Grenzen zusammen: die selbst gesetzten Grenzen einer Agency und die gemeinsam akzeptierten Grenzen ihres Netzwerks. Wer sie missachtet, riskiert schrittweisen Ausschluss aus der Gruppe, den Verlust lebenswichtiger Verbindungen und das Ende seiner Existenz.
Werte
Werte sind der Berührungspunkt von Integration und Verbindung. Sie geben den Entscheidungen eines Akteurs Bedeutung, während Beziehungen zu anderen Agencies sie prägen, neu bestimmen und ihre Prioritäten verändern.
Eine Agency kann ihre Werte zunächst als unabhängige Ergebnisse individueller Entscheidungen betrachten. Ihre Bedeutung und Funktion entstehen jedoch erst innerhalb von Verbindungen. Beziehungen zu anderen Agencies verlangen fortlaufend, Werte zu bestimmen, neu zu bestimmen und ihre Prioritäten zu überdenken. Wie bereits erläutert, fällt es keinem Akteur leicht, Werte zu hinterfragen. Daher neigt ein Akteur dazu, den Werten der Gruppe oder des Netzwerks zu folgen, dem er angehört.
Kultur kann durch Geschichten, Erzählungen, Religionen, Rituale, Traditionen und Sprichwörter langsam und leise das Fundament des inneren Palastes eines Menschen legen, ohne dass er es bemerkt. Untersucht er dieses Fundament schließlich, findet er sich womöglich von Tausenden bereits unterschriebenen Verträgen umgeben und soll jede ihrer Klauseln befolgen.
Im ACE-Modell entstehen Werte aus schriftlichen und ungeschriebenen Vereinbarungen zwischen Agencies. Ihre Rolle bei Entscheidungen ist ebenso wesentlich wie die von Ressourcen oder Werkzeugen. Sie prägen Bedeutung, Grenzen, Entscheidungen, Beziehungen und letztlich den Austausch.
Beziehungskapazität
Beziehungskapazität bezeichnet die Grenze der Anzahl bedeutsamer Beziehungen, die ein Akteur aufrechterhalten kann. Bei Menschen beschreibt die Dunbar-Zahl eine vorgeschlagene kognitive Obergrenze für die Anzahl stabiler sozialer Beziehungen.
Übersteigt die Zahl der Beziehungen einer Agency ihre Beziehungskapazität, sinkt deren Qualität, Entscheidungen werden beeinträchtigt und die Agency wird ihrem Netzwerk oder ihrer Gemeinschaft gegenüber gleichgültig. Beziehungen innerhalb der eigenen Kapazität zu halten verbessert die Konzentration und Entscheidungsqualität und stärkt zugleich Empathie, Verantwortung und Beteiligung.
Von Verbindung zu Gemeinschaft
Wenn Verbindungen zunehmen, entstehen Gemeinschaften. Eine Gemeinschaft übernimmt die Grenzen der Beziehungskapazität ihrer Mitglieder. Ihr Aufbau muss diese Grenzen berücksichtigen, um Zusammenhalt, Koordination und die Qualität gemeinsamer Entscheidungen zu bewahren. Die folgenden Grundsätze beschreiben den Umgang von ACE mit Gemeinschaften.
Größe der Gemeinschaft
Eine Gemeinschaft, die die optimale Grenze für bedeutsame Beziehungen überschreitet, verliert allmählich Zusammenhalt und Koordination; die Qualität ihrer gemeinsamen Entscheidungen sinkt. Ihre Größe sollte der Beziehungskapazität ihrer Mitglieder entsprechen.
Verzweigung der Gemeinschaft
Muss eine Gemeinschaft wachsen oder entwickeln sich die Werte und Regeln ihrer Mitglieder auseinander, sollte sie sich verzweigen und einen neuen Zweig bilden. Wie ein wachsender Baum erweitert sie sich durch Äste, statt ihren Stamm immer weiter aufzublähen.
Hierarchie
ACE lehnt Hierarchie nicht ab. Wird sie benötigt, um Harmonie zu schaffen, sollte sie so flach bleiben, dass die Spitze der Pyramide direkt mit den untersten Knoten kommunizieren kann und jede Person direkt mit der Spitze.
Konsens
Meinungsverschiedenheiten sind natürlich. ACE bietet mehrere Verfahren für gemeinsame Entscheidungen an, ohne sie in eine Rangfolge zu bringen: Abstimmung; Expertenurteil bei Fachfragen; Zufallsauswahl bei ausgewogenen oder strittigen Positionen; und einen Ältestenrat aus angesehenen, erfahrenen Mitgliedern für eine abschließende Einschätzung oder Vermittlung.
Konfliktlösung
ACE will Konflikte nicht beseitigen. Konfliktlösung bedeutet, einen Weg oder eine Struktur zu finden, die eine weitere Zusammenarbeit ermöglicht, ohne die Beteiligten aufzureiben oder zu schwächen.
Regelsetzung
Regelsetzung im ACE-Modell beruht auf einfachen, transparenten und konfliktarmen Regeln zwischen Agencies. Einige Regeln werden von den Initiatoren gesetzt, andere entstehen gemeinschaftlich. Eine Regel wird beständig, wenn sie auf Dialog und gegenseitigem Einverständnis beruht.
Aufsicht und Verantwortlichkeit
Im ACE-Modell ist die beste Form der Aufsicht die Selbstkontrolle jeder Agency. Äußere Aufsicht sollte auf ein Minimum beschränkt bleiben und auf Verantwortlichkeit beruhen. Agencies sollten Regeln aus Verantwortungsgefühl befolgen, nicht aus Angst vor Strafe. Dieser Grundsatz bezieht sich auf Agencies und ihre Netzwerke, nicht auf die öffentliche Polizeiarbeit.
Urteil und Schlichtung
Können die Beteiligten einen Streit nicht selbst beilegen, sollte die Gemeinschaft oder ihr Ältestenrat helfen. Ist keine interne Lösung möglich, sollte eine unparteiische Person aus der weiteren Gemeinschaft oder dem Netzwerk als Schlichter tätig werden.
E — Austausch
Austausch
Austausch ist das Geben und Empfangen, das eine Verbindung zwischen zwei Agencies begleitet. Durch Austausch deckt jede Agency einen Teil ihrer Bedürfnisse.
Die Fähigkeit zu geben und zu empfangen gehört zum Wesen jeder Agency. Kein Hindernis und keine Einschränkung – auch nicht die Unfähigkeit, Geld zu zahlen – sollte eine Agency daran hindern, das zu erhalten, was sie braucht. Austausch kann andere Werkzeuge als Geld nutzen; Geld ist nur eine Form des Austauschs.
ACE fasst den Austausch in drei Formen zusammen, abgekürzt GCC: Geschenk, Verpflichtungen und Währung (Gift, Commitments, Currency).
Geschenk
- Ein Geschenk ist ein Austausch, bei dem eine Agency ein Bedürfnis einer anderen erfüllt, ohne eine Gegenleistung zu erwarten.
- Ein Geschenk zu empfangen ist selbst Teil des Austauschs: Indem die empfangende Person es annimmt und nutzt, gestaltet sie die Beziehung mit.
- Geschenkaustausch ohne Erwartung einer Gegenleistung ist der wesentlichste Faktor zur Stärkung menschlicher Bindungen.
Verpflichtungen
- Verpflichtungen sind eine Form des Austauschs zwischen Schuldner und Gläubiger: Eine Agency erhält jetzt Güter, Dienstleistungen oder einen Wert und verpflichtet sich, später eine Gegenleistung zu erbringen.
- Die Schuld wird in einem Verzeichnis oder Buchhaltungssystem festgehalten; beim Austausch fließt kein Geld. Unter engen Freunden, Nachbarn oder Bekannten kann dieses Verzeichnis schlicht das menschliche Gedächtnis sein: Man merkt sich, was man schuldet. In größeren Gruppen oder bei einem formellen Austausch wird daraus eine tatsächliche schriftliche oder digitale Aufzeichnung.
- Diese Form beruht auf hohem Vertrauen. Die noch offene Verpflichtung hält die Beziehung über die Transaktion hinaus lebendig.
Währung
- Währung ist eine Form des Austauschs, bei der die empfangende Agency ihre Schuld unmittelbar durch eine Zahlung in Währung begleicht.
- Sie erfordert das geringste Maß an unmittelbarem Vertrauen zwischen den Beteiligten, weil die Währung selbst die einzige Absicherung der Transaktion ist.
- ACE betrachtet Währung als legitimes Werkzeug, jedoch nur als eines von mehreren Werkzeugen des Austauschs.
Geschenke im Alltag
Geschenke lassen sich im Alltag leicht erkennen. Ein Elternteil, der sein Kind versorgt, oder ein Freund, der sich Zeit nimmt, deinen Sorgen zuzuhören, erwartet keine Gegenleistung. Ein Geschenk anzunehmen und zu nutzen ist der Beitrag der empfangenden Person zum Austausch: Diese Annahme gestaltet die Beziehung mit. Vor allem ist die empfangende Person genauso wertvoll und wichtig wie die gebende. Etwas zu empfangen bedeutet keine niedrigere Stellung im Austausch. Die Freude am Geben lässt sich nur erfahren, wenn jemand da ist, der das Geschenk empfängt.
Verpflichtungen und gegenseitiger Kredit
Gegenseitige Verschuldung ermutigt Agencies, die Stabilität der jeweils anderen zu bewahren. Ihre Verpflichtungen machen das Fortbestehen des Netzwerks und seiner Mitglieder zu einem gemeinsamen Interesse. Anders als bei einer sofortigen Geldzahlung hält eine offene Verpflichtung die menschliche Verbindung über den Austausch hinaus lebendig und macht das Schicksal jeder Seite für die andere wesentlich.
Die Buchhaltung gegenseitiger Kredite erfasst Schulden und Guthaben so, dass ihre algebraische Summe im Netzwerk null ergibt. Alltägliche Verpflichtungen zeigen, warum Beziehungen wichtig sind. Wer immer bei einer Supermarktkette eingekauft hat, kann dort womöglich nicht anschreiben lassen, wenn gerade kein Geld verfügbar ist: Der Austausch beruhte auf Zahlung, ohne persönliches Vertrauen. Ein örtlicher Lebensmittelhändler kann dagegen vielleicht helfen und eine spätere Zahlung zulassen. Er kennt die Person, weiß, wo sie wohnt, und begegnet ihr alle paar Tage persönlich. Eine Verpflichtung kann auch so einfach sein wie: „Du erzählst mir dieses Geheimnis, und ich schulde dir ein Geheimnis.“
Währung ohne Moralisieren
Im ACE-Modell bleibt Geld eines der Werkzeuge des Austauschs. Es kann einige seiner herkömmlichen Funktionen behalten, soll aber nicht länger die endlose Habsucht von Agencies nähren. Währung gleicht den Austausch unmittelbar aus. Anders als bei Verpflichtungen bleibt nach der Zahlung keine offene Schuld, die die Beziehung weiter aktiv hält.
Die drei Formen im Vergleich
| Dimension | Geschenk | Verpflichtungen | Währung |
|---|---|---|---|
| Erwartung einer direkten Gegenleistung | Keine | Ja, in der Zukunft | Ja, jetzt |
| Zeitpunkt des Ausgleichs | Keine Rückzahlung erwartet | Später | Im Moment des Austauschs |
| Grundlage des Austauschs | Keine Gegenleistung erwartet | Vertrauen auf eine spätere Gegenleistung | Währung als Absicherung |
| Beziehung nach der Transaktion | Durch Geben und Empfangen gestärkt | Durch die offene Verpflichtung lebendig gehalten | Keine offene Verpflichtung nach der Zahlung |
Anwendungen
ACE für natürliche Personen
Jede Veränderung größerer Strukturen muss mit Veränderungen ihrer kleinsten Einheiten beginnen. Der Übergang zu bewusster Entscheidungsfindung muss daher bei jeder natürlichen Person und ihrer Agency beginnen und sich von dort in ihr unmittelbares Umfeld ausbreiten, zuerst zu Familie und Nachbarn.
Das Ziel ist eine Harmonie, die im Inneren eines Akteurs beginnt und sich auf alltägliche Beziehungen ausweitet – zu Hause, in der Nachbarschaft, in Schule oder Universität, beim Sport und am Arbeitsplatz. ACE folgt einem wiederholbaren, fraktalen Muster: Dasselbe Muster gilt auf jeder Ebene.
Anwendungen
ACE für Unternehmen
Das ACE-Manifest, veröffentlicht als Anhang von ACE.await, beschreibt die Anwendung des Modells auf Organisationen. Es richtet sich an „die Inhaber kleiner und mittlerer Unternehmen und die Menschen, die darin arbeiten“ und legt dar, wie das Modell auf Unternehmen und ihre Beschäftigten angewandt wird.
Warum bei Unternehmen beginnen? Weil „Heilung in der Gesellschaft nicht allein durch individuelle Therapie entstehen kann. Wir müssen gleichzeitig an den Menschen, ihren Beziehungen und den Wechselwirkungen zwischen ihnen arbeiten.“ Unternehmensinhaber stehen zuerst im Blick, weil sie Agency sowohl als natürliche Personen als auch über ihre Unternehmen als juristische Personen ausüben. Das Manifest beschreibt sich als sozioökonomisches Modell, „dessen Mittelachse nicht Gier, Habsucht und Übermaß sind, sondern Bewusstheit und die Grenzen, die Agencies sich freiwillig und verantwortlich selbst setzen“. Die Teilnahme ist ausdrücklich freiwillig: Eintritt und Austritt werden „gleichermaßen unkompliziert sein“.
Das ACE-Manifest lesen
Der vollständige Text des Manifests, Version 1.0.0 (Entwurf), wie er im Anhang von ACE.await veröffentlicht wurde. Im Roman wird er von den Gründern von SAS Energy bearbeitet.
ACE-Manifest — vollständiger Text
Vereinen wir uns und beenden wir diesen kollektiven Selbstmord.
Einleitung
Diesmal sind wir an der Reihe: die Inhaber kleiner und mittlerer Unternehmen und die Menschen, die darin arbeiten. Diesmal ist es an uns, den Wandel anzustoßen und die Welt zu einem besseren Ort zu machen, ohne zu Revolution oder Gewalt zu greifen.
Solange das Spiel selbst das Problem ist, wird es keine Lösung sein, seine Spieler bloß zwischen den gesellschaftlichen Schichten hin und her zu schieben. Wir müssen die Regeln des Spiels ändern und ein neues schaffen – ein Spiel, in dem die Menschen wählen, wie und wo sie spielen.
Es wird spät. Mutter Erde, unser Planet, steht am Rand der Zerstörung. Die Menschen werden wahnsinnig, eingeklemmt zwischen den immer schneller laufenden Zahnrädern von Arbeit, Produktion und Konsum. Der Wahnsinn durchdringt alles. Wir müssen handeln, bevor es zu spät ist.
Wir müssen, wenigstens für eine kleine Weile, den Lehren jener Religion den Gehorsam verweigern, die uns gezwungen hat, hinzunehmen: „Der Schmerz eines anderen ist nicht mein Schmerz.“
Das Geld ist die größte Religion, der die meisten Menschen zu treuen Anhängern geworden sind. So treu, dass sie ihre Gebote und Riten über alle eigenen Wünsche stellen. So treu, dass sie jede Ungerechtigkeit ertragen, damit ihre Fahnen wehen – und wie oft rechtfertigen, legitimieren und heiligen sie sogar genau jene Ungerechtigkeiten, die aus ihren Riten hervorgehen.
Doch wie jede künstliche Religion ist auch diese nicht frei von Fehlern und Auswüchsen. Und ihre Erneuerung ist niemals möglich, ohne einigen ihrer Regeln und Bräuche den Gehorsam zu verweigern. Wir können, ohne den ständigen Zwang der Gebote der Geldreligion, unsere Gier und Habsucht zügeln und Gerechtigkeit üben. Es scheint verwickelt, aber es ist zu erreichen.
Ein wenig Selbstlosigkeit kann diesen Weg ebnen – besonders, wenn diese Selbstlosigkeit gemeinschaftlich ist.
ACE-Ziel
Dieses Manifest gründet auf dem sozioökonomischen Modell ACE – Agency Connection Exchange. Es ist ein Modell, dessen Mittelachse nicht Gier, Habsucht und Übermaß sind, sondern Bewusstheit und die Grenzen, die Agencies sich freiwillig und verantwortlich selbst setzen.
In diesem Rahmen wird das Handeln der aufgenommenen Wirtschaftsunternehmen ebenso wie das der natürlichen Personen, die sie bilden, durch die Grundsätze des ACE-Modells geregelt. In diesem System bleibt Geld lediglich eines der Werkzeuge des Austauschs. Es ist ein Werkzeug, das einige seiner anderen herkömmlichen Aufgaben behalten mag, aber es wird nicht länger ein Mittel sein, die endlose Habsucht der Agencies zu füttern.
Die Zahnräder dieser Wirtschaft werden nicht von immer mehr Konsum angetrieben, sondern von Ruhe, Wohlbefinden und menschlichem Gedeihen. Es ist möglich, dass wirtschaftliche Entwicklung auf weniger Konsum und größerer Genügsamkeit beruhen kann.
Einer der wichtigsten Hebel dieses Manifests lautet: Dein Schmerz ist auch mein Schmerz. Der Schmerz einer Agency ist der Schmerz aller aufgenommenen Mitglieder des Manifests, und alle teilen die Verantwortung, darauf zu antworten.
In diesem Wirtschaftsmodell bestehen sowohl individuelles als auch gemeinschaftliches Eigentum; ein Gleichgewicht, das Freiheit und persönliche Verantwortung mit den Interessen und dem Wohl der Gemeinschaft verbindet.
Das ACE-Manifest beruht auf dem Grundsatz der Freundschaft und der Regelung der Distanz, bestimmt durch die Werte der Beteiligten. Dieses Modell ist bereit, mit anderen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Modellen nebeneinander zu bestehen, und wird niemals für sich werben, um mehr Spieler anzuziehen – stattdessen wird es sich nur dort vorstellen, wo es nötig ist.
Der Eintritt in den Kreis des ACE-Manifests und der Austritt daraus werden gleichermaßen unkompliziert sein. Denn die Bindung an diese Grundsätze muss stets freiwillig, bewusst und auf persönlichem Willen und Wunsch gegründet bleiben.
Agency
„Agency“ bezeichnet jeden natürlichen oder juristischen Handelnden, der in jedem Augenblick, im Bewusstsein seiner Lage und seiner Stellung, eine bedachte, eigenständige Entscheidung trifft: Er erhält entweder den gegenwärtigen Zustand oder verändert ihn.
Diese bewussten Entscheidungen beruhen gewöhnlich auf den anerkannten Phasen der Agency-Tätigkeit.
Agency-Phasen:
- Erkundung: die Phase des Entdeckens und der Einsicht: die Suche nach neuen Gelegenheiten, Ideen und Wegen.
- Stabilisierung: die Phase der Festigung: Stabilität schaffen, Ressourcen und Strukturen verbessern.
- Erweiterung: die Phase des Wachstums: Kapazitäten, Märkte oder den Wirkungskreis ausweiten.
- Integration: die Phase des Verschmelzens: sich mit anderen Handelnden, Systemen oder Modellen verknüpfen, um gemeinsamen Wert und längerfristige Beständigkeit zu schaffen.
Diese Phasen können je nach Umgebung und Bedingungen in Reihenfolge, Dauer und Stärke verschieden sein und sogar in Art und Zahl wechseln. Manche Phasen können wegfallen, verschmelzen oder ersetzt werden, oder es können neue Phasen entstehen, die den Bedürfnissen der Umgebung entsprechen.
Ganz gleich, wie die Zusammensetzung der Agency-Phasen aussieht: Die Integration-Phase ist ein untrennbarer Teil davon, denn Bestehen und Beständigkeit jedes Systems hängen von dieser Stufe ab.
Klausel 1 – Ebenen der Agency-Anwendung (Geltungsbereich) Agency wird zugleich auf zwei Ebenen angewandt:
- Individuelle Agency: Alle Angestellten und Inhaber von Unternehmen sind eigenständige Agencies, deren selbstständige Entscheidungen auf Grundlage der Agency-Phasen (Erkundung, Stabilisierung, Erweiterung, Integration) bedacht und ausgeführt werden. Während ihrer Mitwirkung an den Tätigkeiten des Unternehmens müssen sie alle vier Phasen der Agency erleben. Das heißt:
- Sie ziehen Nutzen aus der Erkundung-Phase.
- Ein Teil ihrer Aufgaben ist auf Stabilisierung gerichtet.
- Sie erweitern ihre Fertigkeiten und Kapazitäten in der Erweiterung.
- Und sie stehen in der Integration in beständigem Austausch mit anderen, um aus ihren Tätigkeiten einen erfüllenden Sinn zu schaffen. Ein unausgewogenes Erleben dieser Phasen führt zu einem Missklang zwischen der Agency des Einzelnen und der Agency des Unternehmens beziehungsweise der anderen, was früher oder später zu Störungen und Problemen in der Zusammenarbeit führt.
- Juristische Agency: Jedes Unternehmen ist eine „juristische Agency“, die mit Bewusstsein und Eigenständigkeit entscheidet, den Zustand entweder zu erhalten oder zu verändern. In seinen innerbetrieblichen und zwischenbetrieblichen Beziehungen muss das Unternehmen die vier Phasen fortwährend erleben und ausbalancieren:
- Erkundung, um neue Ideen und Wege zu erproben,
- Stabilisierung für Vereinheitlichung und Beständigkeit,
- Erweiterung, um Kapazität und Wirkungskreis wachsen zu lassen,
- Integration für die wirksame Verbindung mit anderen Agencies und Systemen. Ein Ungleichgewicht oder die Missachtung einer dieser Phasen führt zur Unverträglichkeit mit dem Konsortiumsnetz und zu Störungen der Zusammenarbeit.
Verbindung
Keine Agency besteht für sich allein. Bestehen und Überleben jeder Agency hängen von ihrer Verbindung mit anderen Agencies und den sie umgebenden Faktoren ab. Diese Verbindung ist nicht nur eine grundlegende Bedingung für Bestehen und Stabilität der Agency, sie hat auch unmittelbaren und entscheidenden Einfluss auf ihre Entscheidungsprozesse und darauf, welche Phasen wie in Gang gesetzt werden. Jedes Mal, wenn eine Agency eine Beziehung zu anderen eingeht, setzt sie sich Bedingungen und Erscheinungen aus, die ihr Entscheidungsgefüge umformen und ihren Kurs ändern können.
Klausel 1 – Aufnahme und Mitgliedschaft
- Individuelle Agency: Alle Inhaber und Angestellten, die in Unternehmen des ACE-Konsortiums arbeiten möchten, müssen sich an das ACE-Manifest halten. Ein- und Austritt von Personen aus Mitgliedsunternehmen sind so unkompliziert wie möglich.
- Juristische Agency: Alle Mitgliedsunternehmen des Konsortiums sind verpflichtet, das ACE-Manifest umzusetzen. Ein- und Austritt von Unternehmen sind ebenfalls unkompliziert, außer im Fall offener Verpflichtungen, die das Unternehmen bis zu deren Ausgleich an den Rahmen des Manifests binden (Einzelheiten folgen in späteren Abschnitten).
Werte: Auf den ersten Blick hält jede Agency ihre Werte für unabhängig und aus eigenen Entscheidungen geboren. In Wirklichkeit aber bilden sich der wahre Sinn und die wahre Wirkung von Werten erst im Zusammenhang von Verbindungen. Die Verbindung mit anderen Agencies zwingt eine Agency, ihre Werte zu bestimmen, neu zu bestimmen und zu gewichten. Dieser Vorgang schafft nicht nur innere Klarheit, er legt auch die Grundlage für beständige Wechselbeziehungen und fruchtbare Zusammenarbeit. Im ACE-Modell sind Werte das Ergebnis ungeschriebener oder geschriebener Übereinkünfte zwischen Agencies, und ihre Rolle im Entscheiden ist ebenso wesentlich wie die Rolle von Ressourcen oder Werkzeugen.
- Individuelle Agency: Jede Person hält ihre Arbeitswerte schriftlich fest: was ihr im Arbeitsumfeld grundlegend wichtig ist und wie es in ihren Entscheidungen gewichtet wird.
- Juristische Agency: Das Unternehmen hält seine Werte für seine Mitwirkung im Konsortium schriftlich fest und trägt sie ein, benennt die Werte, die es hervorbringen und vertreten will, und ordnet seine Entscheidungen entsprechend.
Grenzen: In jeder Beziehung ist die Bildung von Grenzen unvermeidlich. Eine Agency tritt allein durch ihre Anwesenheit in einem Netz von Verbindungen in den Vorgang des Bestimmens und Annehmens von Grenzen ein. Die besten Grenzen sind jene, die die Agency sich bewusst und freiwillig selbst setzt. Solche Grenzen verhindern nicht nur Vertrauens- und Glaubwürdigkeitsbrüche, sie festigen auch die Stellung der Agency in der Gruppe. Die Missachtung von Grenzen hat vorhersehbare Folgen: Die Agency wird nach und nach aus der Gruppe ausgeschlossen, verliert ihre lebenswichtigen Verbindungen und ist der Gefahr des Untergangs ausgesetzt. Sicherheit und Fortbestand einer Agency hängen von gesunder Zusammenarbeit und gesundem Austausch mit anderen ab sowie von der Einhaltung gemeinsam angenommener Grenzen.
- Individuelle Agency: Beim Eintritt verfassen Inhaber und Angestellte ihre persönliche Grenzenerklärung. Inhaber legen dar, wozu sie das Unternehmen besitzen und führen, welche Bedürfnisse und Erwartungen sie haben, wo die Grenzen ihrer Befugnis liegen und wie die Mittel des Unternehmens genutzt werden. Angestellte erläutern ebenfalls Umfang und Grenzen ihrer Mitarbeit im Unternehmen und benennen ihre persönlichen Grenzen im Verhältnis zu den Grenzen des Unternehmens – was sie annehmen und was nicht.
- Juristische Agency: Das Unternehmen hält die Grenzen seiner äußeren Beziehungen und seiner Markttätigkeit schriftlich fest und verpflichtet sich, auf Marktmonopolisierung zu verzichten. Seine Grenzen gegenüber anderen Konsortiumsunternehmen und Beteiligten müssen durchsichtig und überprüfbar sein.
Agency-Kapazität: Die Verbindungskapazität jeder Agency ist begrenzt. Diese Begrenzung, in den Sozialwissenschaften als „Dunbar-Zahl52“ bekannt, besagt, dass eine Agency nur mit einer bestimmten Zahl anderer eine bedeutsame und beständige Beziehung unterhalten kann. Übersteigt die Zahl der Beziehungen einer Agency diese Kapazität, verlieren ihre Verbindungen an Qualität, die Entscheidungsprozesse geraten durcheinander, und die Agency wird gegenüber dem Netz oder der Gemeinschaft, an der sie teilnimmt, gleichgültig. Die Zahl der Verbindungen innerhalb dieser Kapazität zu halten stärkt nicht nur Sammlung und Qualität der Entscheidungen, sondern fördert auch Mitgefühl, Verantwortung und wirksame Teilhabe.
Gemeinschaftsgröße: Die begrenzte Verbindungskapazität jeder Agency wirkt sich unmittelbar auf die Größe der Gemeinschaft oder Gruppe aus, in der sie tätig ist. Eine Gemeinschaft, die das günstige Maß für bedeutsame Beziehungen überschreitet, leidet allmählich unter geringerem Zusammenhalt, schlechter Abstimmung und einem Verfall der Qualität gemeinsamer Entscheidungen. Im ACE-Modell muss die Größe jeder Gemeinschaft in einem bestimmten Bereich bleiben, im Verhältnis zur Verbindungskapazität ihrer Mitglieder. Diese Begrenzung verhindert, dass zwischen den Mitgliedern gefühlsmäßige und betriebliche Distanz entsteht, und schafft die Grundlage für dauerhaftes Vertrauen und praktische Zusammenarbeit.
- Individuelle Agency: Das Team, in dem eine angestellte Person arbeitet, wird so klein wie möglich gehalten, um hochwertige Verständigung zu wahren; zum Beispiel Teams, die sich mit einer großen Pizza sattessen können.
- Juristische Agency: Die Größe des Unternehmens ist begrenzt; eine feste Zahl wird nicht gesetzt, aber der leitende Anhaltspunkt ist die Dunbar-Zahl der Inhaber. Das Unternehmen kann nur so weit wachsen, wie die Inhaber die Angestellten Person für Person kennen und in verschiedenen Zusammenkünften unmittelbaren Kontakt zu ihnen haben.
Gemeinschaftsverzweigung: Wenn der Bedarf an Vergrößerung entsteht oder wenn es auf Team-, Unternehmens- oder Konsortiumsebene Unterschiede in Werten und Regeln gibt, muss die Gemeinschaft sich verzweigen – einen neuen Zweig bilden, so wie ein Baum beim Wachsen Zweige treibt, statt seinen Stamm anschwellen zu lassen.
- Individuelle Agency: Wenn eine oder mehrere Agencies es wegen einer Wertänderung oder wegen Nichtannahme bestimmter Bedingungen wünschen, können sie durchsichtig und rechtmäßig eine Verzweigung beantragen – entweder durch die Bildung eines neuen Teams im Unternehmen oder durch die Gründung eines neuen Unternehmens als Zweig des ursprünglichen.
- Juristische Agency: Wächst das Geschäft des Unternehmens, ist es ihm nicht gestattet, seine Größe zu steigern; stattdessen muss es einen neuen Zweig oder ein Tochterunternehmen gründen. Die derzeitigen Inhaber haben kein Recht, das neue Unternehmen zu besitzen; das Eigentum am neuen Unternehmen muss an einen Teil der bisherigen Angestellten übergehen.
Hierarchie: Wird eine hierarchische Struktur gebraucht, um in der Gemeinschaft der Agencies Einklang zu schaffen, müssen Größe und Aufbau der Gemeinschaft so beschaffen sein, dass die Höhe der Hierarchie nicht übermäßig zunimmt. Die günstige Höhe einer Hierarchie ist jene, in der die Spitze der Pyramide unmittelbaren Kontakt zu den untersten Knoten halten kann und jede Person unmittelbar mit der Spitze der Hierarchie sprechen kann.
Konsens: Das Zusammenkommen von Agencies in einer Gemeinschaft führt naturgemäß zu Meinungsverschiedenheiten und zur Entstehung von Konflikten. Um die Tätigkeiten voranzubringen und den Zusammenhalt zu wahren, braucht es Verfahren, um zu einem Konsens zu gelangen. Im ACE-Modell ist der Konsensvorgang untrennbarer Teil der Verständigungskultur und ermöglicht Entscheidungen, die Zufriedenheit und Übereinstimmung unter den Mitgliedern größtmöglich machen, auch wenn nicht alle Sichtweisen vollständig berücksichtigt werden können.
- Abstimmung: ein unmittelbares Verfahren, bei dem jede Agency das Recht hat, eine Meinung zu äußern und eine Stimme abzugeben. Die Entscheidung fällt nach Mehrheit oder nach vorab festgelegten Verhältnissen.
- Fachmeinung: In Fachfragen wird die Entscheidung Personen anvertraut, die auf diesem Gebiet tiefes Wissen und Erfahrung haben.
- Losentscheid: In Lagen, in denen die Ansichten sehr ausgeglichen oder umstritten sind, kann ein Losentscheid eine unparteiische und schnelle Lösung sein. Dieses Vorgehen kann sogar genutzt werden, um Beteiligung, Abwechslung und Vielfalt zu schaffen – ähnlich natürlichen Vorgängen wie der Geschlechtsbestimmung beim Menschen, die in den Genen vollkommen zufällig entschieden wird.
- Ältestenrat: sich auf Personen mit Ansehen, Erfahrung und gutem Ruf in der Gemeinschaft stützen, damit sie eine abschließende Meinung abgeben oder vermitteln.
Konfliktlösung: Im Austausch zwischen Agencies sind Meinungsverschiedenheiten und Konflikte unvermeidlich. Diese Konflikte können aus Unterschieden in Zielen, Prioritäten, Umsetzungsweisen oder sogar aus verschiedenen Deutungen der Wirklichkeit entstehen. Konfliktlösung bedeutet nicht die vollständige Beseitigung der Meinungsverschiedenheit, sondern das Finden eines Weges oder eines Gefüges, das fortgesetzte Zusammenarbeit ohne Zermürbung oder Schwächung der Beteiligten erlaubt.
- Individuelle Agency: Hat eine Agency im Unternehmen das Gefühl, ihre Stimme werde nicht gehört oder ihre Rechte würden verletzt, muss sie in der Lage sein, ein Signal an andere Mitglieder des Konsortiums zu senden. Angestellte der Mitgliedsunternehmen können eigene Konsortiumsvertretungen bilden.
- Juristische Agency: Alle Mitgliedsunternehmen sind verpflichtet, Signale von Agencies anderer Unternehmen entgegenzunehmen und zu bearbeiten. Die Reihenfolge der Bearbeitung richtet sich nach der räumlichen Entfernung zwischen den Unternehmen.
Regelsetzung: Die Regeln unter den Agencies sollen einfach, durchsichtig und konfliktarm sein. Wächst die Gruppe, wird das Regelsetzen schwieriger. In Unternehmen werden manche Regeln von den Inhabern aufgestellt. Andere dagegen entstehen in einem gemeinschaftlichen Vorgang. Eine Regel gilt als beständig, wenn sie auf Gespräch und beiderseitigem Einverständnis beruht.
- Individuelle Agency: Angestellte sollen nicht unter seelischem oder körperlichem Druck arbeiten, um die Bedürfnisse der Inhaber zu befriedigen. Regeln zu Arbeitszeit und Arbeitsmenge werden in einem internen Regelsetzungsverfahren beschlossen, unter Berücksichtigung der Ressourcenlage des Unternehmens. Angestellte von ACE-Konsortiumsunternehmen sollen über eben dieses Verfahren Regeln zu ihrer Arbeitslage und ihren Arbeitsbedingungen vorschlagen und verfolgen können.
- Juristische Agency: Jedes Unternehmen ist verpflichtet, ein durchsichtiges und verlässliches internes Regelsetzungsverfahren zu haben. Einen Teil davon stoßen die Inhaber an, der Rest entsteht durch gemeinschaftliche Beteiligung. Die endgültigen Regeln müssen mit dem Grundsatz vereinbar sein, keinen seelischen oder körperlichen Druck auszuüben, und durch Gespräch und beiderseitige Übereinkunft beschlossen werden.
Aufsicht: Die beste Polizei für jede Agency ist sie selbst; Aufsicht soll geringstmöglich sein und auf Rechenschaft beruhen.
- Individuelle Agency: Ansehen und Ruf einer Person bewegen sie dazu, die Regeln zu befolgen – auch wenn sie allein ist. Das Befolgen soll aus Verantwortungsgefühl kommen, nicht aus Angst vor Strafe.
- Juristische Agency: Aufgabe der Aufsicht ist es, die Einhaltung der Regeln sicherzustellen, nicht ständige Kontrolle. Aufsicht soll geringstmöglich, durchsichtig, unparteiisch und auf einer gemeinsamen Übereinkunft gegründet sein.
Schiedsspruch: Es gibt Zeiten, in denen eine oder mehrere Agencies ihre Streitigkeiten nicht untereinander lösen können. Hält sich das Netz der Agencies an die Grenze der Dunbar-Zahl, entsteht der Bedarf an äußerem Schiedsspruch für gewöhnlich nicht. In solchen Lagen löst der Rückgriff auf die Gesamtheit der Agencies oder auf die Ältesten der Gruppe die Sache meist. Andernfalls muss ein unparteiischer Beobachter aus den Konsortiumsgruppen als Schiedsperson herangezogen werden, um zu einer gerechten und annehmbaren Entscheidung zu gelangen.
Austausch
Die Verbindung zwischen zwei Agencies geht immer mit irgendeiner Form von Austausch einher. Jede Agency deckt über diesen Austausch einen Teil ihrer Bedürfnisse. Die Fähigkeit zum Geben und Nehmen ist eine Wesenseigenschaft jeder Agency, und kein Hindernis und keine Beschränkung – auch nicht die Unfähigkeit, Geld zu zahlen – soll sie daran hindern, zu erhalten, was sie braucht. Dieser Austausch kann auch mit anderen Mitteln als Geld erfolgen.
Der Austausch zwischen Agencies lässt sich in drei Hauptverfahren zusammenfassen, bekannt unter dem Akronym GCC: Geschenk, Verpflichtungen, Währung.
Geschenk: Bei diesem Verfahren werden die Bedürfnisse einer Agency von einer anderen Agency gedeckt, ohne eine Gegenleistung zu erwarten. Das Annehmen eines Geschenks ist für sich schon eine Form des Austauschs – denn die empfangende Seite formt, indem sie das Geschenk annimmt und nutzt, einen Teil dieser Beziehung. Geschenkaustausch ohne Erwartung ist der wesentlichste Faktor zur Stärkung menschlicher Bindungen.
- Individuelle Agency: Angestellte erhalten nicht für alle Tätigkeiten ein Gehalt. Einen Teil ihrer Arbeit verrichten sie freiwillig und als Geschenk an das Unternehmen, von Fachleistungen bis zu kleinen Aufgaben wie Reinigung und Instandhaltung. Im Gegenzug kann auch das Unternehmen unterstützende Geschenke geben, um Probleme und Bedürfnisse der Angestellten zu lösen.
- Juristische Agency: Mitgliedsunternehmen des Konsortiums bieten ihre Güter und Dienstleistungen vorrangig anderen Konsortiumsmitgliedern an. Ein Teil dieses Angebots kann in Form eines Geschenks erfolgen. Auch manche fachlichen oder nichtfachlichen Aufgaben, die sonst ausgelagert werden, können von Personen aus anderen Unternehmen als Geschenk erledigt werden.
Verpflichtungen: Bei diesem Verfahren nimmt der Austausch die Form eines Schuldner-Gläubiger-Verhältnisses an. Die Agency, die Güter oder Dienstleistungen empfängt, verpflichtet sich, künftig zu erwidern. Diese Schuld wird in einem Hauptbuch oder Buchhaltungssystem festgehalten. Grundlage dieser Art des Austauschs ist hohes Vertrauen zwischen den Beteiligten und die Zuversicht, dass Verpflichtungen künftig erfüllt werden. Bei dieser Art des Geschäfts wird kein Instrument wie Geld oder Währung für den Austausch von Gütern und Dienstleistungen verwendet.
- Philosophie: Wechselseitige Verschuldung bewegt Agencies dazu, die Stabilität der jeweils anderen zu wahren. Weil jede der anderen verpflichtet ist, wird die Beständigkeit des Netzes und der anderen Agencies zum gemeinsamen Interesse aller.
- Unterschied zum Geldaustausch: Beim verpflichtungsbasierten Austausch besteht die Beziehung zwischen den Beteiligten über das Geschäft hinaus fort. Die verbleibende Verpflichtung hält die menschliche Verbindung lebendig, und das Geschick jeder Seite wird für die andere lebenswichtig. Der Geldaustausch dagegen beruht auf geringstmöglichem Vertrauen, verkürzt die Bindung mit sofortiger Begleichung auf ein notwendiges Mindestmaß und lässt nach der Zahlung keinen Raum für gegenseitige Fürsorge. Das System für diesen Abschnitt ist die wechselseitige Kreditbuchhaltung; die algebraische Summe von Schulden und Guthaben im Netz wird null.
- Individuelle Agency: Ein Teil von Gehalt und Leistungen einer angestellten Person wird als eingetragenes Guthaben für sie gehalten (ähnlich wirkend wie eine Lebens- oder Rentenversicherung), mit dem Unterschied, dass der Fonds innerhalb des Unternehmens beziehungsweise des Netzes selbst bestimmt ist. Für weitere Einzelheiten siehe das Kapitel „ACE-Ökonomie“.
- Juristische Agency: Statt sofort Währung zu erhalten, kann ein Unternehmen den an andere gelieferten Wert als Schuld im wechselseitigen Kreditbuch verzeichnen. Die spätere Begleichung erfolgt mit Gütern, Dienstleistungen, Währung oder im Tausch; auf der Ebene des Konsortiumsnetzes bleiben die Konten in der Summe null.
Währung (Geld und andere Tauschinstrumente): Bei diesem Verfahren begleicht die Agency, die Güter oder Dienstleistungen empfängt, ihre Schuld in diesem Augenblick durch Zahlung mit Währung. Dieses Geschäft beruht auf dem geringsten Maß unmittelbaren Vertrauens zwischen den Beteiligten, da die einzige Deckung der Beziehung das Geld selbst als Tauschwerkzeug ist. Unternehmen des Konsortiums verkaufen einen Teil ihrer Dienstleistungen oder hergestellten Güter gegen verschiedene Währungen an Unternehmen innerhalb und außerhalb des ACE-Konsortiums.
ACE-Ökonomie
Die ACE-Ökonomie ist ein siebenteiliges Modell für die Tätigkeit wirtschaftlicher Unternehmen, in dem die Grundsätze und Phasen der Agency in allen Schichten und Entscheidungen gegenwärtig sind.
1. Kapital In der ACE-Ökonomie ist Kapital nicht bloß Geld oder ein Bankkontostand. Das jährliche Kapital des Unternehmens muss auf Grundlage des folgenden siebendimensionalen Kapitalportfolios gemessen und ausgewiesen werden.
- Finanzkapital: Liquidität, Erträge, Vermögenswerte und finanzielle Widerstandskraft.
- Wissenskapital: Fertigkeiten, angesammelte Erfahrung, Dokumentation und organisationales Lernen.
- Naturkapital: Umweltwirkungen und -verpflichtungen sowie das Geben-und-Nehmen-Verhältnis zur Erde als Agency.
- Kapital körperlicher Gesundheit: Zustand des Wohlbefindens, Arbeitssicherheit und Arbeitsfähigkeit.
- Kapital seelischer Gesundheit: psychisch-emotionales Wohlbefinden, Erschöpfung, Sinnempfinden und Zugehörigkeit.
- Sozialkapital: Vertrauen, Kooperationsnetz, Ansehen und zwischenbetriebliche Beziehungen.
- Kulturkapital: gemeinsame Werte, Arbeitsnormen, Qualität des Austauschs und gemeinschaftliche Kreativität.
Die für die Berechnung des Kapitalportfolios nötigen Kennzahlen werden unter Mitwirkung aller Konsortiumsunternehmen bestimmt und fortgeschrieben und können der Kultur jedes Unternehmens angepasst werden. (Diese Messungen sind nicht zwangsläufig vollständig eindeutig und zahlenmäßig; ein gewisses Maß an Unschärfe wird hingenommen.) Die Kennzahlen des Kapitalportfolios müssen für alle Angestellten eines Unternehmens berechnet werden.
2. Produktionsmittel In diesem Modell gelten Planet Erde und die Umwelt als eigene Agency. Jedes Unternehmen muss sein Geben und Nehmen mit der Umwelt durchsichtig machen und seine positiven wie negativen Wirkungen messen. Kennzahlen wie der Durchschnittliche Fürsorgeindex können Schuld oder Guthaben eines Unternehmens gegenüber der Umwelt berechnen. Unternehmen mit geringer Schuld können diese Kapazität an andere Unternehmen übertragen und im Gegenzug Dienstleistungen oder Güter erhalten. Die Übertragung überschüssiger Umweltkapazität ist nur innerhalb des Konsortiums erlaubt; ein Zweitmarkt ist untersagt. Alle Übertragungen werden in einem durchsichtigen Register erfasst. Der Entstehung von Scheinmärkten und Briefkastenfirmen sowie dem Missbrauch des Handels mit CO₂-Fußabdrücken muss jedoch vorgebeugt werden.
3. Arbeitskraft Die Arbeitskraft ist in der ACE-Ökonomie ein tätiger Teil der Agency des Unternehmens, und Entscheidungen müssen auf Grundlage der Phasen der Agency getroffen werden.
- Klausel 1 – Die Zahlung von Gehältern und Leistungen kann über verschiedene Austauschmodelle erfolgen (Geld, Geschenk, Verpflichtung).
- Klausel 2 – Das Unternehmen ist verpflichtet, allen Angestellten Anteile zu geben und sie am Gewinn zu beteiligen.
- Klausel 3 – Rückholung von Fonds und Versicherungen: Rentenfonds, Wohnungsfonds und andere Versicherungsdeckungen werden von der Auslagerung in die Eigenleistung überführt, entweder durch das Unternehmen, in dem die jeweilige Person arbeitet, oder durch Konsortiumsunternehmen.
- Klausel 4 – Für die Umsetzung der verschiedenen Fonds und Versicherungen wird das Verfahren des Verpflichtungsaustauschs genutzt. Verpflichtungen werden im Buchhaltungsbuch erfasst und zu vereinbarten Zeiten beglichen.
- Klausel 5 – Erleben der Agency-Phasen: Die Gestaltung von Rollen und Aufgaben muss so beschaffen sein, dass jede angestellte Person während ihrer Mitarbeit alle vier Agency-Phasen erlebt: Erkundung, Stabilisierung, Erweiterung und Integration.
4. Herstellung von Gütern und Dienstleistungen Jedes Unternehmen muss seine Werte bestimmen und seine Erzeugnisse mit ihnen in Einklang halten. Diese Werte bestimmen auch die Beziehungen und den Austausch des Unternehmens. So liefert etwa die Firma SAS Energy ihre Anlagen nicht unmittelbar an Unternehmen, die im Glücksspielgewerbe tätig sind. Sie verhindert sogar die mittelbare Nutzung ihrer Erzeugnisse durch solche Unternehmen.
- Klausel 1 – Konzentration auf Produkt/Dienstleistung: Bevorzugt wird, dass jedes Unternehmen sich auf ein Produkt oder eine Dienstleistung beschränkt, um anderen Raum zum Eintreten und Wachsen zu lassen.
- Klausel 2 – Verträglichkeit und Qualitätsnormen: Die Herstellung muss mit den gemeinsamen Normen des Konsortiums (Qualität, Sicherheit, Verträglichkeit) übereinstimmen, um reibungslose Zusammenarbeit zwischen den Unternehmen zu sichern.
5. Markt und Wettbewerb
- Klausel 1 – Vorrang der Belieferung innerhalb des Konsortiums: Mitgliedsunternehmen des Konsortiums sind verpflichtet, zuerst die Bedürfnisse individueller und juristischer Agencies innerhalb des Konsortiums zu decken und nur den Überschuss nach außen anzubieten.
- Klausel 2 – Vorrang des Einkaufs innerhalb des Konsortiums: Individuelle und juristische Mitglieds-Agencies decken ihren Bedarf vorrangig bei Unternehmen innerhalb des Konsortiums. Ist etwas nicht verfügbar, ist der Rückgriff auf externe Quellen zulässig.
- Klausel 3 – Gesunder, nicht zersetzender Wettbewerb: Die Vielfalt der Produkte und Dienstleistungen eines Unternehmens soll anderen Mitgliedern nicht den Raum nehmen. Gesunder Wettbewerb ist erlaubt, aber nicht in einem Maß, das zur Instabilität oder zum Zusammenbruch anderer Konsortiumsunternehmen führt.
- Klausel 4 – Verbot von Eigentumsketten: Das Schaffen von Kettenunternehmen mit einer einzigen individuellen Agency als Eigentümer ist untersagt. Im Fall von Wachstum muss sich das Unternehmen teilen, und das Eigentum am neuen Unternehmen muss auf neue Eigentümer aus dem Kreis der früheren Angestellten übergehen.
6. Verkauf und Austausch Der Austausch innerhalb des ACE-Konsortiums beruht auf dem GCC-Modell (Geschenk, Verpflichtungen, Währung).
- Klausel 1 – Interne Werteinheit (Verpflichtungen): Die Konsortiumsunternehmen bestimmen eine interne Werteinheit für ihr Verpflichtungssystem. Diese Einheit gilt nur innerhalb des Konsortiums, und der Wert von Gütern und Dienstleistungen wird zum Zeitpunkt des Austauschs mit dieser Einheit berechnet und in den Buchhaltungsbüchern erfasst.
- Klausel 2 – Übergang von den gegenwärtigen Währungen: Die Nutzung gebräuchlicher Währungen zur Bewertung ist am Anfang des Konsortiums zulässig. Nach dem Start der eigenen Recheneinheit des Konsortiums müssen jedoch alle Konten und Bücher aktualisiert und die Berechnungen neu aufgestellt werden.
- Klausel 3 – Gemeinsame Netzverpflichtung: Die Verpflichtungen einer juristischen Agency (eines Unternehmens) gelten als Verpflichtung des Netzes. Gerät ein Unternehmen aus irgendeinem Grund in Schwierigkeiten oder Krisen, wirken die anderen Konsortiumsmitglieder mit und leisten Unterstützung, um die Verpflichtungen dieses Unternehmens zu erfüllen.
7. Gewinnberechnung Der Gewinn in der ACE-Ökonomie ist mehrdimensional und muss auf Grundlage des siebenteiligen Kapitalportfolios gemessen und ausgewiesen werden, nicht bloß als Finanzzahl.
- Klausel 1 – Wiederanlage im siebenteiligen Portfolio: Jedes Unternehmen ist verpflichtet, einen Teil seines Gewinns zur Stärkung der sieben Kapitale einzusetzen, sowohl auf Ebene der juristischen Agency (des Unternehmens selbst) als auch auf Ebene der individuellen Agencies (aller Angestellten).
- Klausel 2 – Konsortiumsanteil und Verpflichtungen: Ein Teil des Gewinns muss für Ausgaben des Konsortiums und die Rückzahlung von Verpflichtungen verwendet werden, um die Stabilität des Netzes zu wahren.
- Klausel 3 – Der Sinn von Wachstum: Das finanzielle Wachstum des Unternehmens soll nicht exponentiell oder geometrisch verfolgt werden. Die Bewertung des Wachstums muss über die sieben Kapitalkennzahlen verteilt und gestreut werden, um ein zutreffendes Bild des Fortschritts des Unternehmens in allen Dimensionen zu erhalten.
52. Dunbar-Zahl: eine vorgeschlagene kognitive Obergrenze für die Zahl beständiger sozialer Beziehungen, die ein Mensch unterhalten kann. ↩
ACE im Roman
ACE als gemeinsame Sprache für bewusste Entscheidungen von Menschen und KI
Wenn künstliche Intelligenz eines Tages ihre eigenen Ziele bestimmen und danach entscheiden kann, was werden wir von ihr erwarten? Und wie wird sie diese Erwartungen verstehen?
Die Entscheidungsfindung von KI beruht auf komplexen mathematischen Regeln und von Menschen entwickelten Algorithmen. Menschliche Entscheidungen scheinen jedoch keinen derart ausdrücklich formulierten Verfahren zu folgen. Wie könnte zum Beispiel ein Algorithmus für Selbstlosigkeit aussehen?
Wenn KI eines Tages Macht über andere Wesen besitzt und eigene Ziele verfolgt, würden wir hoffen, dass sie Entscheidungen trifft, die das Zusammenleben mit Menschen fördern. Wir würden hoffen, dass sie unsere Fehler nicht wiederholt: Macht zu jagen, sich selbst zu zerstören und endlos nach mehr zu streben.
Doch KI lernt aus den Informationen, die wir hervorbringen. Wenn wir Besseres von ihr erwarten, müssen sich diese Erwartungen zuerst in unseren eigenen Entscheidungen widerspiegeln. Wir müssen eine Art des Entscheidens praktizieren, der KI begegnen und von der sie lernen kann – ein Muster, dessen Anwendung ihr, so hoffen wir, Zufriedenheit bereitet und das sie als Weg erkennt, eine dauerhafte Beziehung zur Menschheit zu pflegen.
Vielleicht kann ACE diese gemeinsame Sprache der Entscheidungsfindung zwischen Menschen und künstlicher Intelligenz sein.
„Es gibt nur ein Heilmittel gegen eure schrecklichen Ängste vor künstlicher Intelligenz und der Zukunft: die angemessenen Entscheidungen, die ihr trefft – genau jene Entscheidungen, die ihr euch von künstlicher Intelligenz erhoffen würdet, falls sie eines Tages an die Spitze der Kette des Seins gelangt.“